{"id":86,"date":"2020-05-16T08:24:28","date_gmt":"2020-05-16T08:24:28","guid":{"rendered":"https:\/\/themerain.com\/demo\/etc\/?p=86"},"modified":"2020-10-23T12:18:12","modified_gmt":"2020-10-23T12:18:12","slug":"site-of-the-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/?p=86","title":{"rendered":"Sabine Endres"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"has-vivid-red-color has-text-color wp-block-heading\">VON DER SCHWERE GEISTIGER FREIHEIT<\/h5>\n\n\n\n<p>\u201eLosgel\u00f6st\u201c nennt Sabine Endres ein Objekt, das sich aus einem dreigeteilten Holzkorpus nach oben hin aufzul\u00f6sen scheint. Aus filigranen Dr\u00e4hten geformt, heben sich Leiter\u00e4hnliche Strukturen in die H\u00f6he, die einzelne Holzpl\u00e4ttchen tragen und sich schlie\u00dflich in gr\u00f6\u00dferer Anzahl verdichtet in alle Richtungen hin dynamisch verteilen. Endres verfolgt in dieser Arbeit einen Gedanken, der an einen der wichtigsten Vertreter der abstrakten Plastik in Deutschland erinnert: F\u00fcr Norbert Kricke (1922-1984) bedeutete der Raum in der Plastik immer Freiheit und Aufl\u00f6sung fester architektonischer Formen, wobei die bewegte Linie als wesentliches Mittel eingesetzt wurde, um Immaterialit\u00e4t und Schwerelosigkeit auszudr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Sabine Endres zeigt in allen hier gezeigten Objekten eine durch metallische Linien nach Oben hin strebende Leichtigkeit, die im deutlichen Gegensatz zu den aus h\u00f6lzernen Objets trouv\u00e9s bestehenden Basisk\u00f6rpern stehen. Diese Gegens\u00e4tze von Massivit\u00e4t und Transparenz versinnbildlichen Stillstand und Bewegung, Erstarrung und Freiheit. In diesem Sinne verwendet sie altes, gebrauchtes Holz und l\u00f6st es aus seinem bisherigen Kontext und seiner ehemaligen Funktion. Dabei legt Endres die Spuren l\u00e4ngst vergangener Zeiten offen und f\u00fchrt die Holzst\u00fccke einer neuen Bedeutung zu. Auf diese Weise greift sie Vorhandenes auf, nimmt R\u00fccksicht auf die jeweilige Geschichte, um etwas Neues, Andersartiges zu schaffen: Zerst\u00f6rung und Wiederaufbau, Vergangenheit und Gegenwart, Zerfall und Erhalt werden nicht nur in der Wahl dieses \u201egelebten\u201c Materials sondern bewu\u00dft durch dessen k\u00fcnstlerische Umformung widergespiegelt. Die Verwendung von Draht dient hierbei als Verbindung, die so zur\u00fcckhaltend und unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich den Holzobjekten gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Transparenz verschafft. Dabei \u00e4hneln die fragil anmutenden Metalldr\u00e4hte in ihrer Anordnung zugleich an technische Strukturen, die eine Balance von tragenden und schwebenden Ebenen bewirken, in den offenen Raum hineingreifen und zugleich eigene Formen abschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>So werden die an Architekturen erinnernden Holzelemente durch die Dr\u00e4hte in einem imagin\u00e4ren Raum luftig fortgesetzt, der durch feine Holzbl\u00e4tter entweder etagenartig unterteilt wird oder sich segelf\u00f6rmig im Winde zu bewegen scheint. Oftmals gibt es gar keine durchg\u00e4ngigen Verbindungen oder Wege zwischen den einzelnen Holzteilen, sondern nur Fragmente von Leitern, Tunneln und H\u00f6hlen. Die eigentlichen Verbindungen und Verkn\u00fcpfungen entstehen vor dem geistigen Auge des Betrachters, bleiben selbst immateriell und unsichtbar. Sabine Endres schafft auf diese Weise nicht nur Sinnbilder geistiger Freiheit, sondern symbolisiert damit auch den m\u00fchevollen Weg dahin, der sowohl Befreiung als auch Verantwortung f\u00fcr das eigene Handeln beinhaltet. Darauf nehmen die jeweils zwei Objekte umfassenden Arbeiten auch in ihren Titeln Bezug: So lassen beispielsweise \u201eFragile Freiheit\u201c oder \u201eR\u00e4ume &#8211; G\u00e4nge &#8211; Ebenen\u201c sprachliche Assoziationen zu, die ihre \u00fcberzeugende Entsprechung in der k\u00fcnstlerischen Formensprache finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kubischen Holzteile k\u00f6nnen sinnbildlich in ihrer Massivit\u00e4t und Undurchl\u00e4ssig f\u00fcr \u00fcberkommene und veraltete Lebensentw\u00fcrfe verstanden werden w\u00e4hrend sie auf geistiger Ebene f\u00fcr den m\u00fchsamen Weg der Entwicklung und Einsicht stehen. Imagin\u00e4re R\u00e4ume, G\u00e4nge, Ebenen, T\u00fcren und Stufen, die schlie\u00dflich zu Plateaus f\u00fchren, verdeutlichen das m\u00fchevolle Erlangen der Eigenverantwortlichkeit, zu denen niemals gerade und eindeutige Wege hinf\u00fchren. Geistige Flexibilit\u00e4t und das Streben Neues zu erlernen und starres Denken hinter sich zu lassen, sind wichtige Merkmale dieses Prozesses.<br>So k\u00f6nnte man den sich aufl\u00f6senden oberen Teil des eingangs vorgestellten Objekts &#8222;Losgel\u00f6st&#8220; auch f\u00fcr einen Vogelschwarm halten, der sich bei eingehender Betrachtung als Metapher innerer Befreiung und des Aufbrechens festgefahrener Strukturen interpretieren l\u00e4\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1030\" height=\"688\" src=\"https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-1030x688.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23083\" srcset=\"https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-1030x688.jpg 1030w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-600x401.jpg 600w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-300x200.jpg 300w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-768x513.jpg 768w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-700x467.jpg 700w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite-1100x734.jpg 1100w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Fragile-Freiheit-Vorderseite.jpg 1766w\" sizes=\"(max-width: 1030px) 100vw, 1030px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Licht und gro\u00dfz\u00fcgig wirken die abstrakten Malereien von Sabine Endres. Bewegte Fl\u00e4chen verdichten sich auf der Leinwand zu vereinzelten Gruppen, b\u00fcndeln sich virtuos zu einem Farbenrausch und werden zuweilen durch zarte Linien miteinander verbunden.<br>In ganz unterschiedlicher Weise erinnern diese verschiedenartigen Kompositionen an vegetabile Strukturen, Landschaften oder Unterwasserwelten. Sie bleiben aber immer so weit unbestimmbar und bar jeder Interpretation, dass der Betrachter Raum f\u00fcr eigene Assoziationen und Vorstellungen beh\u00e4lt. Sie sind Momentaufnahmen k\u00fcnstlerischen Schaffens und sind g\u00e4nzlich aus dem Wesen der reinen Malerei entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich ihre Bilder oftmals in Werkgruppen entstehen und \u00fcber die Zeit hinweg deutliche Entwicklungen und Schwerpunkte aufzeigen, arbeitet Sabine Endres mit einem hohem Ma\u00df an Spontanit\u00e4t und Zufall. Insofern k\u00f6nnte man von intuitiv-spontaner Malerei sprechen, die eine von jeglicher Intention und Festlegung befreite Kunst sucht.<br>\u00c4hnlich dem franz\u00f6sischen Tachismus, der ab den 1940er Jahren in Paris der informellen Malerei in Deutschland vorausging, finden sich auch in ihren Bildern vielfach Farbflecke bzw. sogenannte taches (la tache franz. f\u00fcr (Farb)fleck). Diese Farbflecken variieren in Form und Gr\u00f6\u00dfe, in Dichte und Abstraktionsgrad und sind Ergebnis eines v\u00f6llig freien, intuitiven Malvorgangs.<br>Dieser von jeglichem Darstellungswillen losgel\u00f6ste Malgestus ist zugleich von einem gewissen Kalk\u00fcl begleitet, um die M\u00f6glichkeiten der abstrakten Malerei mit unterschiedlichsten Techniken und Materialien immer wieder aufs Neue auszuloten. Sabine Endres gelingt es, eine Balance zwischen dem Bewussten und Unbewussten zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Collagierte Papierst\u00fccke, Zeichnungen, mit dem Pinsel oder Schwamm aufgetragene Farben, die fest oder stark verfl\u00fcssigt ihre freien Formen bilden, werden Schicht auf Schicht \u00fcber viele Arbeitsschritte verdichtet, \u00fcbermalt, nachgezeichnet oder ver\u00e4ndert.<br>Auf diese Weise entwickeln sich \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume nicht vorhersehbare und doch wohlkontrollierte Bildwerke, die eine gro\u00dfe Energie und Lebendigkeit entfalten und zugleich harmonische Ruhe ausstrahlen. Dynamische Spuren bilden sich durch herunterlaufende Farben, w\u00e4hrend sich dicke Farbauftr\u00e4ge durch pastos aufgetragene Fl\u00e4chen verdichten.<br>Lasierende \u00dcbermalungen und feine Linien f\u00fcgen diese amorphen und gegenstandslosen Motive zu Gesamtbildern, die zuweilen an impressionistische oder japanische Naturlandschaften erinnern: Seerosen, Bl\u00fcten und \u00c4ste, sch\u00e4umende Wogen oder schneebedeckte Berggipfel scheinen sich schemenhaft aus dem abstrakten Bildgrund zu bilden, ohne wirkliche Gestalt anzunehmen.<br>\u00dcberhaupt vermittelt die Malerei von Sabine Endres trotz aller Abstraktion asiatische Einfl\u00fcsse, ohne diese konkret anzudeuten oder bewusst benennen zu wollen. Vielmehr ist es die bewegte und zugleich meditative Anmutung, die f\u00fcr ihre Werke charakteristisch ist, die sowohl durch eine kraftvolle als auch sanfte Farbgebung leuchtend und in jeder Hinsicht anregend wirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zur K\u00fcnstlerin: <a href=\"http:\/\/www.sabine-endres.de\" data-type=\"URL\" data-id=\"www.sabine-endres.de\">www. sabine-endres.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Schwere geistiger Freiheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":23080,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=86"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23226,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/86\/revisions\/23226"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/23080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=86"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=86"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=86"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}