{"id":22621,"date":"2020-01-19T20:22:59","date_gmt":"2020-01-19T20:22:59","guid":{"rendered":"http:\/\/alexandrawendorf.de\/?p=22621"},"modified":"2020-10-23T13:17:13","modified_gmt":"2020-10-23T13:17:13","slug":"22621","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/?p=22621","title":{"rendered":"Vom Duft der Sch\u00f6nheit"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"has-cyan-bluish-gray-color has-text-color wp-block-heading\">DIE SURREALE WELT DES MALERS ECKART HAHN<\/h5>\n\n\n\n<p>Eckart Hahn (geb.1971 in Freiburg) studierte Fotografie, Kunstgeschichte und Grafikdesign. Seine Werke befinden sich in prominenten Sammlungen in Europa, Russland und Nordamerika. Er wird von der Galerie Rothamel in Frankfurt und Erfurt vertreten, sowie von Wagner + Partner in Berlin und Pablo\u2019s Birthday in New York. Marc Peschke sprach mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDer schwarze Duft der Sch\u00f6nheit\u201c war der Titel einer Ausstellung, die Sie im St\u00e4dtischen Kunstmuseum Singen realisiert haben. Und so haben Sie auch Ihr Buch genannt. Warum?<\/strong><br>In dem Titel sind zwei Haken. Einmal hat ein Duft keine Farbe und wenn, dann w\u00e4re die logische Zuordnung in der Farbskala eine andere. So reflektiert der Titel meine Herangehensweise an die Welt. Ich interessiere mich f\u00fcr Dinge und Situationen, die sowohl anziehen als auch zur\u00fcckweisen, die also beide Pole beinhalten. Dabei spielt auch die Untersuchung der Oberfl\u00e4che eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Oberfl\u00e4che?<\/strong><br>Wir leben in einer Zeit der Oberfl\u00e4che, also mit dem Fokus auf dem \u00e4u\u00dferlich Sichtbaren. Aber es ist zu kurz gegriffen, darin nur Oberfl\u00e4chlichkeit zu sehen. Es hilft ja nicht, dem Jetzt nur die Leere, dem Vergangenen aber den Inhalt \u2013 also den Wert \u2013 zuzumessen. Es ist vielmehr so, dass wir lernen m\u00fcssen, unsere Welt anzunehmen und an ihr zu arbeiten. Auch mit dem schmerzhaften Verlust von Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diesem Schmerz setzen Sie Sch\u00f6nheit und Sinnlichkeit entgegen. Ihre Gem\u00e4lde und Objekte sind von gro\u00dfer Sinnlichkeit, von einem dunklen, geheimnisvollen Glamour, dabei noch erstaunlich virtuos gemalt. Mit dieser Art zu malen bet\u00f6ren Sie den Betrachter beinahe. Was ist ihre Strategie? \u00dcberw\u00e4ltigung?<\/strong><br>\u00dcberw\u00e4ltigung sicherlich nicht. Ich werde gelegentlich gefragt ob ich mich in der Tradition der alten Meister sehe. Ganz abgesehen davon, dass ich mir das nicht anma\u00dfen will, hat es mich nie interessiert, was man malerisch leisten kann \u2013 Illusionen zu schaffen oder zu bet\u00f6ren. Es ist vielmehr so, dass es das von Ihnen erw\u00e4hnte Sinnliche ist, was mir wichtig ist. Daf\u00fcr ist es notwendig, den Dingen bestimmte Oberfl\u00e4chen zuzuweisen. Beispielsweise der K\u00f6rpersprache vergleichbar, bietet das Bild dadurch \u00fcber die intellektuelle Bildidee hinaus eine sinnliche Kommunikations-ebene, die einen direkten, wenn auch manchmal schwer fassbaren Zugang erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schwer fassbar sind auch Sie. Sie sind nicht nur Maler, sondern schaffen auch Objekte. War das schon immer da \u2013 dieses Pendeln zwischen den Medien?<\/strong><br>Mein Hauptfeld ist sicherlich die Malerei. Aber auch meine Malerei hat ganz klar objekthafte Z\u00fcge. Es ist also f\u00fcr mich eher die Frage, in welcher Form eine Bildidee funktioniert, wenn ich sie realisiere. Das schlie\u00dft die Gr\u00f6\u00dfe aber auch die Wahl des Mediums ein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ihre Motivik ist surreal \u2013 oft spielen Sie mit Traditionen der Kunstgeschichte. Haben Sie besondere Vorbilder?<\/strong><br>Eine ganze Zeit durfte man das Wort \u201esurreal\u201c nicht im Munde f\u00fchren, da in den K\u00f6pfen sofort alle Klischees von massenkompatiblem Poster-Kram herumgeisterten. Inzwischen sehe ich das ganz entspannt. Dem Surrealismus bin ich insofern nahe, als das Zusammenbringen von Irrealem eine Ankn\u00fcpfung ist. Die Traumaufarbeitung spielt hingegen f\u00fcr mich keine Rolle. Meine Kunst ist eher aus einer intuitiven Quelle gespeist. Vorbilder im engeren Sinne gab es eigentlich nicht. Auch habe ich mich nie mit der Frage besch\u00e4ftigt, ob ich nun in oder gegen irgendeine kunstgeschichtliche Tradition arbeite. K\u00fcnstler deren Werk mich inspiriert sind zum Beispiel Jeff Wall oder Thomas Demand \u2013 und nat\u00fcrlich aus der Geschichte jemand wie Hammershoi.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"686\" height=\"1030\" src=\"https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-686x1030.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-22627\" srcset=\"https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-686x1030.jpg 686w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-600x900.jpg 600w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-200x300.jpg 200w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-700x1050.jpg 700w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree-1100x1650.jpg 1100w, https:\/\/alexandrawendorf.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Golden-Tree.jpg 1299w\" sizes=\"(max-width: 686px) 100vw, 686px\" \/><figcaption>Eckart Hahn<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>In einem Interview haben Sie einmal von den Zw\u00e4ngen des \u201ezivilisatorischen Lebens\u201c gesprochen, von sozialen Strukturen, die sich aufl\u00f6sen. \u201eUnsere Zeit ist so, dass man sehr viel \u00fcber sich selber wissen muss, um entscheiden zu k\u00f6nnen.\u201c Wie treffen Sie als K\u00fcnstler ihre Entscheidungen?<\/strong><br>Als K\u00fcnstler treffe ich Entscheidungen, wie wir alle. Aus einer Gemengelage von dem Versuch, etwas zu verstehen, aus der Erfahrung des Scheiterns und der Sehnsucht, sich selbst nahe zu sein. Ich glaube, ob K\u00fcnstler oder nicht, der Mensch ist heute mehr gezwungen, dem Eigenen zu vertrauen, da es sichere, absehbare Wege in unserer heutigen Welt nicht mehr gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das macht das Leben schwieriger &#8230;<\/strong><br>Ja, das ist anstrengend, birgt aber auch die Chance, sich nicht zu schnell in einem vermeintlich berechenbaren Leben einzurichten, sondern etwas Eigenes zu finden. So hat sich die allgemeine Gewissheit der Anfangszeit meiner Laufbahn, dass Malerei, insbesondere gegenst\u00e4ndliche Malerei, tot sei, als nicht zutreffend erwiesen. Meine Entscheidung, auf mich zu vertrauen, hat mir sehr viel Gl\u00fcck beschert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Arbeit \u201eHaunt\u201c aus dem Jahr 2011 zeigt, wie eine goldene Hand aus einem alten, mit schwarzen Federn ausgeschlagenen Schrank, in die Welt reicht. Ist das eine christliche Metapher?<\/strong><br>Nein, nicht bewusst. Mir ging es um das Bild des Verstecks. Wenn sich ein Kind beim Spielen im Schrank versteckt, wird der Schrank zur Zuflucht vor dem F\u00e4nger aber auch gleichzeitig durch das Schlie\u00dfen der T\u00fcr zum unheimlichen Ort. Geborgenheit und Mulmigkeit sind beide anwesend. Der Schrank ist f\u00fcr mich auch eine Art von \u00dcbergang, etwas wie ein Transponder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Religion, das Geistige, Spirituelle, nimmt einen wichtigen Stellenwert in Ihrer Arbeit ein. Auch das ist heute eher ungew\u00f6hnlich &#8230;<\/strong><br>Mich interessiert die Frage nach dem Metaphysischen in der Tat. Dazu habe ich selber noch keine Antwort. Sind die religi\u00f6sen Fragmente in mir ein Gebilde, aus denen wieder etwas entstehen kann \u2013 oder sind sie auf dem Weg zur g\u00e4nzlichen Befreiung noch aufzul\u00f6sen? Mit dieser Ambivalenz leben heute viele Menschen und es ist ein Thema, was sich in unserem Alltag an vielen Stellen zeigt, wo es uns gar nicht bewusst ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesellschaftskritik, Konsumkritik ist Ihnen nicht fern. Doch auch Ihre Kunst ist eine Ware. Ist das ein Problem, mit dem Sie sich besch\u00e4ftigen?<\/strong><br>Man lernt mit der Zeit, wie der Kunstmarkt funktioniert und auch wie durchschaubar das Ganze ist. Das bedeutet auch, dass man sich immer wieder von den Mechanismen befreien muss, die auf einen einwirken. Ich bin aber auch sehr dankbar daf\u00fcr, dass meine Bilder gekauft werden, sonst w\u00fcrden wir dieses Interview nicht f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie man liest, h\u00f6ren Sie beim Malen H\u00f6rb\u00fccher? Warum?<\/strong><br>Die H\u00f6rb\u00fccher sind f\u00fcr mich eine Art Begleitschutz der Disziplin. Man k\u00f6nnte sagen, es sind akustische&nbsp; Kokabl\u00e4tter. Funktionieren bei mir noch besser als Musik. Als Quelle der Inspiration dienen sie nat\u00fcrlich auch \u2013 wie gute Literatur allgemein.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Text wurde im nicolai Zeitungsmagazin No 5 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Autor: Marc Peschke<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zum K\u00fcnstler: <a href=\"https:\/\/www.galerie-wagner-partner.com\/de\/artists\/eckart-hahn\">www.galerie-wagner-partner.com<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.schlichtenmaier.de\">www.schlichtenmaier.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die surreale Welt des Malers Eckhart Hahn.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":22713,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22621"}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22621"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22621\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23245,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22621\/revisions\/23245"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/22713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrawendorf.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}