Alexandra Wendorf | JOURNAL
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In diesem Journal werden Künstler und Kunstprojekte vorgestellt, die mir aufgefallen sind oder die mir von Autoren und Kunstexperten empfohlen wurden. Die portraitierten Künstler und Projekte sind außergewöhnlich und einzigartig. Sie folgen nicht dem oftmals im Kunstmarkt vetretenen Mainstream, sondern stellen eigenständige künstlerische Positionen dar. Sie sind manchmal irritierend, immer anregend und bieten viel Potential. Viel Freude beim Entdecken!

„Kunst muss man leben“

EINE PRIVATE KUNSTSAMMLUNG WIRD ZUM PRIVAT GEFÜHRTEN FORUM FÜR GEGENWARTSKUNST

Mit der Entscheidung, Kunstwerke ihrer privaten Sammlung in einen öffentlichen Dialog zu führen, ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: „Kunst muss man leben und sie lebendig halten“, beschreibt die Kunstsammlerin Andra Lauffs-Wegner diesen Schritt, mit dem sie seit November 2014 das KAT_A als neues Forum für internationale Kunst der Gegenwart in Bad Honnef am Rhein geschaffen hat.

Dafür bietet das historisch interessante Gebäude „Haus Hedwig“, das während des 2. Weltkrieges auch als Lazarett diente, großzügige und vielseitige Möglichkeiten: Die ca. 400 qm große Ausstellungsfläche erstreckt sich auf den ehemaligen Speisesaal mit angrenzendem Raum sowie der hauseigenen Kapelle. Die über vier Meter hohen Wände zeigen Spuren längst vergangener Tage. READ MORE

JETTE JERTZ – KEEP ON WALKING

WEITERGEHEN BEDEUTET, SICH FÜR DAS LEBEN ZU ENTSCHEIDEN.

Bewegung ist für Jette Jertz ein wesentliches Merkmal ihrer Arbeit. Im Sinne einer steten Entwicklung bewegt sie sich als Künstlerin zwischen den Stilen: sei es Abstraktion und Figuration, informelle oder gegenständliche Malerei. Spontanes Experiment und gestisch-konstruktivistische Kompositionen wechseln sich mit durchdachten Bildmotiven ab, die der Realität entnommen sind. Auf diese Weise bereichert Jette Jertz ihre Malerei um die Möglichkeit, aus einem nicht enden wollenden Repertoire von Formen, Motiven und Themen zu schöpfen. Begrenzungen – sowohl in formaler als auch geistiger Hinsicht – sind ihr fremd. Vielmehr gilt es, Neues auszuprobieren und sich jeden Tag aufs Neue inspirieren zu lassen. In ihrer aktuellen Bildserie KEEP ON WALKING ist diese Arbeitsweise zugleich auch bildgebendes Thema geworden.READ MORE

KUNSTPROJEKT SYNAGOGE STOMMELN

IN DER NORMALITÄT LIEGT DIE GEFAHR DES VERGESSENS

Hauptstraße 85 a. Wer in Stommeln im Rhein-Erft-Kreis die ehemalige Synagoge besuchen im Jahr 2014 wollte, der konnte seinen Augen nicht trauen. Anstelle des im neoromanischen Stil errichteten Backsteingebäudes des ausgehenden 19. Jahrhunderts stand im Hinterhof ein glatt verputztes zitronengelbes, bieder anmutendes Einfamilienhaus.

Die Tür ist verschlossen. Kunststoffenster, zugezogene Rollos, Garagentor, Briefkasten und der penibel säuberlich gekehrte Vorplatz mit seiner spärlichen Begrünung lassen keinen Zweifel zu: Dies ist kein historisch oder kulturell geprägter Ort. Man muss sich also geirrt haben, ist wohl ein paar Häuser zu weit gegangen. Geht noch einmal zurück in die vorgelagerte Hauptstraße und findet sich vor einem Blumengeschäft wieder. Doch auch hier: Kein Hinweis auf die Synagoge, kein noch so kleines Schild. Ist die Adresse falsch?READ MORE

EINE PERLE AM RHEIN

DIE WERKHALLEN – EIN BESONDERER ORT FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Unlängst hat sich zwischen Bonn und Koblenz, in Oberwinter bei Remagen, ein neuer Ort zeitgenössischer Kunst etabliert. 2013 haben Christiane Obermann und Axel Burkhard ein ehemaliges Fabrikgebäude-Ensemble aufwendig renovieren und umbauen lassen und nach drei Jahren Rheingalerie in Bonn  ihre großzügigen und lichten neuen Galerieräume, die Werkhallen, eröffnet. Wie schon die Museumsarchitektur des in unmittelbarer Nähe befindlichen Arp-Museums von Richard Meier in Rolandseck setzen auch die beiden Galeristen mit ihren Werkhallen urbane Architektur in einen spannungsvollen Kontrast zur weitläufigen Natur des romantischen Rheintals. Zwei in cremeweiß getauchte Fabrikhallen dienen als Ausstellungsräume, die durch einen fast rural wirkenden Innenhof miteinander verbunden sind. Abgeschieden vom Lärm der Straßen und der Geschäftigkeit der Stadt taucht der Besucher hier in eine Welt der Kunst ein, kann sich ganz dem Betrachten der Werke – und dem Verweilen hingeben. Während eine Halle stets einer aktuellen Ausstellung gewidmet ist, wird in der anderen Halle eine permanente Schau aller vertretenen Künstler präsentiert. Weitläufige Präsentationen mit zeitgleich kabinettartigen Hängungen lassen die Werkgruppen der jeweiligen Künstler auf unterschiedliche Weise erfahrbar werden, repräsentativ, intim oder zuweilen meditativ.READ MORE

CHROMATIC FRAGMENTS

Farben wie Licht – Die Kölner Malerin Nike Seifert

Künstlerische Ideen gleichen oftmals Geistesblitzen. Sie entwickeln sich spontan und situativ, brechen aus dem Künstler heraus und drängen zur Umsetzung. Künstlerische Ideen basieren aber auch auf detaillierten Planungen und langfristigen Überlegungen, sind Ergebnis prozesshafter Arbeit. Nike Seifert verbindet beide Vorgehensweisen und erschafft Bilder, die sich durch Spontaneität und Ratio gleichermaßen auszeichnen. Ihre Werke vereinen die dem Moment verhaftete Abstraktion und können doch auch eine dem Kalkül entsprungene Farbkomposition sein.

 

Ihre künstlerische Arbeitsweise erinnert an den französischen Tachismus der 1940er bis 60er Jahre, bei dem der spontane Malakt die dem Künstler innewohnende kreative Kraft sichtbar machen sollte. Unbewußt und aus dem Moment geboren. Ähnlich wie auch  im deutschen Informel der 1950er Jahre entstanden Bilder, die Ausdruck eines dynamischen, spontanen Malvorganges waren, ungegenständlich und abstrakt. Auch wenn Nike Seifert sich auf diese Kunst nicht ausdrücklich bezieht, scheinen dennoch ihre schon frühen Berührungen mit Werken des Informel und ganz besonders die Auseinandersetzung mit Kunstwerken von und die persönliche Begegnung mit Peter Herkenrath in dessen Atelier eine prägende Rolle für ihr eigenes Werk zu spielen.  READ MORE

ZWISCHEN TRADITION UND INNOVATION

DER FRANZÖSISCHE INSTALLATIONSKÜNSTLER BAPTISTE DEBOMBOURG

Seine Installationen sind gewaltig – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie nehmen den Raum ein, sind monumental und überwältigen ihn geradezu. Baptiste Debombourg (geb. 1978), der an der Ecole National des Beaux Arts in Lyon Bildhauerei studierte und an der Ecole National Superior des Beaux Arts in Paris post-graduierte, erschafft Werke, die gleichsam Zerstörung und Erneuerung thematisieren. Er visualisiert die Gegensätzlichkeit von Kraft und Schwäche, die Ambivalenz von Tradition und Moderne sowie die Widersprüchlichkeit in Gesellschaft und Leben. Dabei verwendet Debombourg unterschiedlichste Materialien, die er bis zum Äußersten modifiziert: Verbundglas, das zerschlagen und zersplittert eine faszinierende Entmaterialisierung erfährt; fließend wie Wasser scheint es Räume zu überfluten und das Licht wie aufschäumende Wellen einzufangen und kristallklar zu reflektieren. Metallene Heftklammern werden tausendfach auf Wände oder Holztafeln getackert, um schließlich in Anlehnung an historische Radierungen großformatige „Zeichnungen“ entstehen zu lassen. Laminierte Holzplatten werden zerschlagen und zu monumentalen Raumskulpturen neu zusammengesetzt.READ MORE