Alexandra Wendorf | EINE PERLE AM RHEIN
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EINE PERLE AM RHEIN

DIE WERKHALLEN – EIN BESONDERER ORT FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Unlängst hat sich zwischen Bonn und Koblenz, in Oberwinter bei Remagen, ein neuer Ort zeitgenössischer Kunst etabliert. 2013 haben Christiane Obermann und Axel Burkhard ein ehemaliges Fabrikgebäude-Ensemble aufwendig renovieren und umbauen lassen und nach drei Jahren Rheingalerie in Bonn  ihre großzügigen und lichten neuen Galerieräume, die Werkhallen, eröffnet. Wie schon die Museumsarchitektur des in unmittelbarer Nähe befindlichen Arp-Museums von Richard Meier in Rolandseck setzen auch die beiden Galeristen mit ihren Werkhallen urbane Architektur in einen spannungsvollen Kontrast zur weitläufigen Natur des romantischen Rheintals. Zwei in cremeweiß getauchte Fabrikhallen dienen als Ausstellungsräume, die durch einen fast rural wirkenden Innenhof miteinander verbunden sind. Abgeschieden vom Lärm der Straßen und der Geschäftigkeit der Stadt taucht der Besucher hier in eine Welt der Kunst ein, kann sich ganz dem Betrachten der Werke – und dem Verweilen hingeben. Während eine Halle stets einer aktuellen Ausstellung gewidmet ist, wird in der anderen Halle eine permanente Schau aller vertretenen Künstler präsentiert. Weitläufige Präsentationen mit zeitgleich kabinettartigen Hängungen lassen die Werkgruppen der jeweiligen Künstler auf unterschiedliche Weise erfahrbar werden, repräsentativ, intim oder zuweilen meditativ.

Doch nicht nur die Architektur und Raumgestaltung zeichnen die Werkhallen aus, sondern die sorgsam kuratierten Ausstellungen und Präsentationen. In der im Frühjahr 2014 gezeigten Ausstellung „Erben | Förg. Arbeiten auf Papier“ setze sich beispielsweise der ältere Künstler Ulrich Erben mit dem Werk des früh verstorbenen jüngeren Künstlers Günther Förg auseinander und schuf eigens dafür neue Werke. Durch die Gegenüberstellung dieser Arbeiten entstand ein Dialog zweier konzeptioneller Positionen, deren Unterscheidung und Vergleichbarkeit in ihrer abstrakten Inszenierung von Architektur und Natur liegen. Sowohl Kunstinteressierte als auch passionierte Sammler konnten sich in diesem Kontext mit den jeweiligen künstlerischen Arbeitsweisen befassen und die formal schlichten aber inhaltlich komplexen Papierarbeiten neu betrachten.

Mit ihren Schwerpunkten Fotografie, Skulptur und konzeptionelle Malerei bringen Christiane Obermann und Axel Burkhard neben der zeitgenössischen Kunst auch illustre Events in die Region. So wurde die Grande Dame der Gesellschaftsfotografie, Marianne Fürstin Sayn-Wittgenstein im Dezember 2014 mit einer Hommage geehrt. Die Ausstellung „95 Jahre – 95 Werke“ zeigt noch bis zum 31. Januar einen dokumentarischen Überblick ihres fotografischen Schaffens und entführt den Besucher in eine Zeitreise in die High Society Europas und des Motorsports. Ein Hauch der glamourösen 60er und 70er des 20. Jahrhunderts scheinen durch diese Fotografien wiederbelebt zu sein und finden ihre reale Entsprechung in der dritten Halle, die tatsächlich einer Werkhalle gleicht. Inmitten meterhoher Depot-Regale, verpackter Skulpturen und an der Wand angelehnten Bildern stehen zwei Rennwagen mit glanzvoller Geschichte. Sie sind Zeugen längst vergangener Autorennen, Trophäen und Stars – motorisierte Skulpturen von ganz eigener Art und Sinnlichkeit.

Es war kein geringes Wagnis, in einer eher kulturellen Diaspora wie Oberwinter eine Galerie zu eröffnen. Wie würden Sie heute, nach gut anderthalb Jahren entscheiden?
Wir würden es genauso wieder machen! Wir sind hoch-
zufrieden mit dem Standort, befinden uns in guter Nachbarschaft zum Arp-Museum, den Museen in Bonn und Koblenz. Die Besucher kommen gezielt zu uns – und bringen Zeit und Muße mit. Genau das haben wir uns gewünscht und genau das haben wir erreicht.

Das heißt, das Konzept der Werkhallen ist aufgegangen?
Unbedingt. Uns ist es besonders wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, sich auf Kunst wirklich einlassen zu können. Wir wollen den Sammlern und Kunstinteressierten die Chance bieten, sich auch auf den zweiten oder gar dritten Blick in ein Kunstwerk verlieben zu können und sich Zeit zu lassen, „ihr“ Werk zu entdecken. Das schafft man nicht immer an einem Vernissage-Abend oder für die begrenzte Dauer einer Ausstellung. Unser „Boutique-Stil“ erlaubt den Sammlern, Entdeckungen zu machen. Manche kommen gar nicht zur Vernissage, sondern bewusst an einem anderen Tag, um sich in Ruhe mit der Kunst zu beschäftigen und sich mit uns zu beraten. Zudem – davon sind wir überzeugt – hat Kunst immer auch mit Genießen zu tun und genau das bieten wir: Kunstgenuss, an einem schönen Ort in einer schönen Umgebung – fernab der Hektik des Alltags.

Im Herbst 2014 haben Sie sich das erste Mal auf der Cologne Fine Art präsentiert. Mit großformatigen Fotoarbeiten von Vera Mercer und Portraitmalereien von Jochen Hein. Was planen Sie für dieses Jahr?
Wir wollen unser Programm mit Blick auf Kontinuität und Nachhaltigkeit sorgfältig ausbauen. Und wir werden wieder auf der Cologne Fine Art sein, die für uns ein großartiger Messeauftakt war. Unser Konzept lautet: „Masterpieces“ – weniger ist mehr. Uns ist die gleichbleibend hohe Qualität der Kunstwerke besonders wichtig. Wir wollen lieber wenige aber dafür umso überzeugendere Ausstellungen realisieren, die den Sammlern ästhetischen Genuss und inhaltlichen Gewinn bieten. Daneben sind wir auch als Kunsthändler tätig, vermitteln Kunstwerke an Sammler oder verkaufen diese in deren Auftrag. Mittlerweile ist unser Netzwerk so groß, dass wir beim Aufbau einer Sammlung genauso beraten wie bei der Vermittlung einzelner Objekte.

Dazu gehört auch das Verstehen der individuellen Rahmenbedingungen und Ansprüche eines jeden einzelnen Sammlers. Mancher sucht etwas ganz Bestimmtes, andere wollen überhaupt erst mit dem Kauf von Kunst beginnen, wollen herausfinden, was zu ihnen passt. Deshalb gehören Probehängungen genauso zu unserem Service wie die obligate Bereitstellung größerer Portfolios unserer Künstler. Nur so können wir einen Einblick in die jeweiligen Œvres und letztlich eine große Auswahl an Originalen zeigen. Es geht ja schließlich darum, für die Kunst, die wir selbst lieben, andere zu begeistern. Auch wenn wir die Marktentwicklungen genau beobachten und die jeweilige Wertstabilität im Auge behalten, würden wir keinen Künstler vertreten, von dem wir nicht auch persönlich überzeugt wären. Das spüren sowohl die Künstler, zu denen wir intensive Beziehungen pflegen, als auch die Sammler. Und was könnte man jemandem besser empfehlen, als das wofür man selbst leidenschaftlich brennt?

Weitere Informationen: www.werkhallen.net

Der Beitrag erschien in nicolai No 7

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